Wie lernt man den Umgang mit Daten?

Die sich in allen Berufsfeldern rasant entwickelnde Digitalisierung ist auch für Studierende eine Herausforderung. Wie bereitet man Daten solide auf, wie wertet man sie aus, wie interpretiert man sie? Die entsprechenden Kompetenzen – sie werden unter dem Begriff „Data Literacy“ zusammengefasst - muss man sich erst einmal aneignen. Prof. Dr. Katharina Simbeck hat dafür ein neues Format entwickelt. Ob sie es mit finanzieller Förderung der Heinz Nixdorf Stiftung und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft umsetzen kann, entscheidet sich am Freitag, 28. September. 47 Hochschulen aus ganz Deutschland haben Anträge für das Förderprogramm Data Literacy Education eingereicht, acht Anträge sind derzeit noch im Rennen, darunter der von Prof. Dr. Simbeck aus dem Studiengang Wirtschaftsinformatik. Wir haben sie zu Details befragt.  

Um welche Arten von Daten geht es eigentlich? Bitte nennen Sie Beispiele, damit die Sache nicht so abstrakt bleibt!
Prof. Katharina Simbeck: Das unterscheidet sich von Branche zu Branche. Ingenieur_innen haben oft mit Zeitreihendaten zu tun, die von Sensoren erfasst werden: Kraft und Druck, Raumtemperatur oder Fahrstuhlgeräusche. Mitunter wird 100 Mal pro Sekunde gemessen, da kommen schnell einige Gigabytes zusammen und Sie müssen genau wissen, welche Messdaten für Sie relevant sind. Ein anderes Beispiel: Bon-Daten im Handel. Früher wusste man am Abend gerade einmal, wie viel Geld in der Kasse ist. Heutzutage generieren Registrierkassen immer granularere Daten, die nach Einkaufskörben oder sogar Kunden ausgewertet werden. Und ein letztes Beispiel: Social-Media-Kontakte. Unternehmen können alles Mögliche erfassen, aber was ist interessant und wie geht man sinnvollerweise vor?

Ihr neues Format soll die Fähigkeit fördern, mit Daten umzugehen, die sogenannte Data Literacy? Lernen Studierende das nicht jetzt schon?
Prof. Dr. Katharina Simbeck: Ja und nein. Einerseits prägt die Digitalisierung inzwischen tatsächlich alle Berufsbilder, weshalb entsprechende Lehrveranstaltungen Eingang in die meisten Curricula gefunden haben. Die Module heißen Statistik, Datenbanken, Quantitative Methoden, Empirische Forschung und so weiter. Andererseits sind die Lehrpläne aller Studiengänge vollgepackt mit fachlich relevantem Stoff und das Thema Umgang mit Daten und Datenauswertung konkurriert mit vielen anderen Themen. So kam ich auf die Idee, ein studiengangübergreifendes Format zu entwickeln, das sich sowohl gut in vielfältige Lehrveranstaltungen integrieren lässt, aber auch Zusatzangebote beinhaltet und in Gestalt des Datathon-Wettbewerbs mit Preisen besonders attraktiv ist.

Sie haben das Format „HTW Berlin Datathon“ genannt. Was muss man sich darunter vorstellen?
Prof. Dr. Katharina Simbeck:
Der Begriff Datathon – ich habe ihn übrigens nicht erfunden, die Bezeichnung ist älter - leitet sich von Hackathon ab, also dem Programmierwettbewerb und von Marathon, dem Laufwettbewerb. Der Datathon ist analog dazu ein Wettbewerb zur Datenauswertung. Falls unsere Idee die Stiftung überzeugt, werden an ihm alle Studierenden der HTW Berlin teilnehmen können. Sie haben die Wahl zwischen fünf Kategorien, gearbeitet wird in Teams, die zur Verfügung stehende Zeit ist begrenzt. Den Abschluss macht die Präsentation der Ergebnisse als Poster, über deren Qualität eine Jury entscheidet. Zusätzlich zum Wettbewerb soll es Workshops und Lernkarten geben, außerdem ein Allgemeinwissenschaftliches Ergänzungsfach, das man bei Interesse belegen kann. 

Sie haben für den Datathon ungewöhnliche Kategorien entwickelt, wie kam es dazu?
Prof. Dr. Katharina Simbeck:
Mit war es wichtig, dass keinerlei Vorkenntnisse nötig sind und auch Studienanfänger_innen am HTW Berlin Datathon teilnehmen können. Deshalb kann man sich beispielsweise mit ethischen Fragestellungen beschäftigen (Kategorie Fairy Tale Fair Data), eine gestalterisch-künstlerische Auseinandersetzung wählen (Kategorie Daten.Kunst.Daten) oder möglichst komplexe Methoden wählen, um zu banalen Erkenntnissen zu kommen (Kategorie Nicht-trivial, banal).

Wie groß sind die Chancen, dass Ihr Antrag auf einem der ersten drei Plätze landet und in den Genuss der Förderung kommt?
Prof. Dr. Katharina Simbeck:
Ich habe mich schon umgeschaut und muss sagen: Auch andere Hochschulen haben richtig gute Ideen entwickelt. Das wird also spannend.

Interview: Gisela Hüttinger
Foto: HTW Berlin
© HTW Berlin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
4. September 2018